Warum werden KMU heute häufiger Ziel von Cyberangriffen als Konzerne?

Kurz gesagt: Weil kleine und mittlere Unternehmen für Cyberkriminelle ein besonders attraktives Verhältnis aus Aufwand und Ertrag bieten. KMU verfügen oft über wertvolle Daten, funktionierende Zahlungsströme und kritische IT-Systeme, investieren aber deutlich weniger in strukturierte IT-Sicherheit als große Konzerne. Genau diese Lücke wird gezielt ausgenutzt.

Während Großunternehmen über eigene IT-Abteilungen, Security-Teams und Notfallpläne verfügen, müssen Geschäftsführer im Mittelstand IT-Sicherheit häufig nebenbei mitdenken. Das macht Angriffe einfacher, schneller und erfolgreicher.

Warum Cyberkriminelle gezielt KMU angreifen

Ein weit verbreiteter Irrtum ist die Annahme, Angreifer hätten es nur auf große Namen abgesehen. In der Realität arbeiten Cyberkriminelle hochgradig wirtschaftlich. Sie suchen nicht das prominenteste Ziel, sondern das effizienteste.

KMU erfüllen mehrere Kriterien gleichzeitig. Sie nutzen oft Standardsoftware, haben ähnliche IT-Strukturen und vergleichbare Sicherheitslücken. Ein einmal entwickelter Angriff lässt sich daher tausendfach automatisiert ausrollen. Hinzu kommt, dass viele Betriebe glauben, zu klein oder zu unbedeutend zu sein. Genau diese trügerische Sicherheit senkt die Abwehrbereitschaft.

Welche Rolle fehlende IT-Abteilungen spielen

In Konzernen ist IT-Sicherheit klar organisiert. Es gibt Zuständigkeiten, Prozesse, Budgets und regelmäßige Prüfungen. In vielen KMU ist das anders. Die IT läuft mit, wird von externen Dienstleistern betreut oder intern von Mitarbeitenden übernommen, die dafür eigentlich nicht ausgebildet sind.

Das Problem ist nicht mangelnde Intelligenz, sondern fehlende Struktur. Sicherheitsupdates werden aufgeschoben, Zugriffsrechte wachsen unkontrolliert und Passwörter werden jahrelang nicht geändert. Für Angreifer sind das ideale Bedingungen, um unbemerkt einzudringen.

Welche Daten für Angreifer besonders interessant sind

Cyberangriffe zielen längst nicht mehr nur auf technische Systeme. Im Fokus stehen vor allem Daten, die sich monetarisieren lassen oder geschäftskritisch sind.

Dazu gehören Kundendaten, Vertragsunterlagen, Angebote, Rechnungen, Zugangsdaten zu Onlinekonten und E-Mail-Postfächern. Gerade im Handwerk und Mittelstand können solche Informationen massive Auswirkungen haben. Produktionsausfälle, Stillstand im Büro, Vertrauensverlust bei Kunden und im schlimmsten Fall rechtliche Konsequenzen.

Warum einfache Schutzmaßnahmen oft fehlen

Viele Geschäftsführer setzen auf Antivirenprogramme und Firewalls und gehen davon aus, damit ausreichend geschützt zu sein. Das Problem ist, dass moderne Angriffe diese Hürden längst umgehen. Phishing-Mails, manipulierte Rechnungen oder gefälschte Login-Seiten setzen nicht an der Technik an, sondern am Menschen.

Ohne klare Sicherheitsprozesse und sensibilisierte Mitarbeiter greifen diese Angriffe oft innerhalb weniger Minuten. Ein Klick reicht, um Schadsoftware einzuschleusen oder Zugangsdaten preiszugeben.

Welche realistischen Schutzmaßnahmen KMU ergreifen können

IT-Sicherheit muss nicht kompliziert oder teuer sein. Entscheidend ist ein pragmatischer Ansatz, der zur Unternehmensgröße passt.

Dazu gehören klare Zuständigkeiten, auch ohne eigene IT-Abteilung. Regelmäßige Updates, strukturierte Zugriffsrechte und einfache, aber verbindliche Passwortregeln reduzieren bereits einen Großteil der Risiken. Ebenso wichtig sind regelmäßige Backups, die nicht dauerhaft mit dem System verbunden sind.

Ein weiterer zentraler Baustein ist die Schulung der Mitarbeitenden. Wer typische Angriffsmuster erkennt, wird nicht zum Einfallstor für Cyberkriminelle.

Warum IT-Sicherheit Chefsache ist

Cyberangriffe sind kein reines Technikproblem. Sie betreffen Prozesse, Verantwortung und unternehmerische Entscheidungen. Im Ernstfall trägt die Geschäftsführung die Verantwortung, nicht der IT-Dienstleister.

Wer IT-Sicherheit als strategisches Thema versteht, reduziert nicht nur Risiken, sondern stärkt auch Vertrauen bei Kunden, Partnern und Mitarbeitern. Gerade in Zeiten zunehmender Digitalisierung ist das ein klarer Wettbewerbsfaktor.

Fazit

KMU werden nicht trotz, sondern wegen ihrer Größe häufiger angegriffen. Die gute Nachricht ist: Mit überschaubarem Aufwand lassen sich viele Risiken deutlich reduzieren. Entscheidend ist, IT-Sicherheit nicht zu delegieren oder aufzuschieben, sondern als festen Bestandteil der Unternehmensführung zu begreifen.

Wer früh handelt, bleibt handlungsfähig, auch wenn es ernst wird.